Donnerstag, 8. Februar 2018

MENTALE SUBTRAKTION

Kennen Sie den Film „It’s a wonderful Life?“ Er stammt aus dem Jahre 1946, mit James Stewart. Die USA sind noch vom zweiten Weltkrieg geschüttelt, es ist kurz vor dem Weihnachtsabend in der amerikanischen Kleinstadt Bedford Falls. George Bailey, Leiter einer kleinen Hypothekarsparkasse, versucht sich das Leben zu nehmen. Ein unbescholtener, tadelloser Mann, verheiratet, Vater von vier Kindern,  der viel für die Entwicklung von Bedford Falls getan hat, steht vor dem Bankrott, weil sein Onkel sein ganzes ihm anvertrautes Geld verspielt hat. Bailey steht auf einer Brücke und will runterspringen, genau in dem Moment, als ein älterer Mann in den Fluss fällt und um Hilfe ruft. Bailey verschiebt den eigenen Suizid und rettet ihn. Der Gerettete behauptet von sich, ein Engel zu sein. Bailey glaubt ihm nicht, als Prüfung wünscht er sich von dem Mann, nie geboren zu sein. Der Engel verwandelt Bedford Falls in den traurigen Zustand, in dem das Städtchen wäre, wenn es George Bailey nie gegeben hätte. Am Weihnachtsabend erwacht Bailey aus diesem Zustand, kehrt in die Realität zurück und ist von seiner depressiven Stimmung befreit. Überglücklich, dass er noch am Leben ist, rennt er durch die Hauptstrasse des eingeschneiten Städtchens, jubiliert, lacht, jaucht und wünscht allen „Merry Christmas, Merry Christmas!“

Der Film ist längst zu einem Weihnachtsklassiker gereift, die Filme, die über die Festtage eben so ausgestrahlt werden. Noch nicht zu wirklicher Berühmtheit, geschweige denn zu einem Klassiker hat es die mentale Strategie, die der gerettete Engel in diesem Film anwendet, geschafft. In der Psychologie spricht man von mentaler Subtraktion, ein gutes Stück für in die Werkzeugkiste für ein gutes Leben.

Lust auf eine Übung? Ja? Okay, dann los!

Warm-up: Drucken Sie zuerst diesen Blog aus.
Beantworten dann Sie folgende Frage: Wie glücklich sind Sie gerade in Ihrem Leben? Wählen Sie eine Zahl zwischen 0 (zu Tode betrübt, die Welt ist ein Elendsviertel) und 10 ( Gleich fliege ich...). Schreiben Sie den Wert an den Rand dieses Blogs (wenn Sie keinen Drucker haben, auf einen Zettel, wenn Sie keinen Zettel haben auf Ihre Handinnenfläche: Wenn Sie nichts zu schreiben haben und auch nichts holen wollen, empfehle ich die Brücke und die Hoffnung auf einen Engel....)

Lehnen Sie zurück. Schliessen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, Sie hätten den rechten Arm verloren. Nur noch ein kleiner Stumpf. Wie fühlt sich das denn an? Wie viel schwieriger ist das Leben geworden? Wie jemanden umarmen? Wie schwimmen? Wie Fahrrad fahren? Essen?
Es geht weiter. Nun stellen Sie sich auch noch vor, Sie hätten zusätzlich den linken Arm verloren.  Keine Hände mehr. Nichts mehr berühren, halten, streicheln. Nun verlieren Sie auch noch das Augenlicht. Sie hören und riechen alles, aber...
Öffnen Sie nun die Augen wieder. Nehmen Sie sich die Zeit (3 min), um diese Situationen durchzuspielen, sich in sie hinein zu fühlen, bevor weiterlesen.

Wie fühlt sich nun Ihr Lebensglück an? Bewerten Sie es mit einer Zahl neu! Wenn Sie die Übung wirklich gemacht und in sie hinein gefühlt haben, hat sich Ihr Glücksgefühl soeben erheblich erhöht. Als ich sie das erste Mal gemacht habe, fühlte ich mich wie ein Stein oder Geschoss, das von einem Katapult losgelassen wird. Oder wie ein Ball, den
man unter Wasser hält und dann loslässt: Er schiesst wie eine Fontäne hoch! Das ist der eindrückliche Effekt der mentalen Subtraktion!

Silbermedaillen-Gewinner sind unglücklicher als Bronzemedaillen-Gewinner (Studie anlässlich der Olympischen Spiele in Barcelona). Logisch: Silber misst sich an Gold, Bronze an gar keiner Medaille. Mentale Subtraktion vergleicht mit „keiner Medaille“. Anstelle von Medaille können Sie irgendetwas einsetzen.
Deshalb müssen Sie sich natürlich nicht alles amputieren lassen in einer solchen Übung. Fragen Sie sich, wie es wäre, wenn Sie in einem Slum leben müssten anstelle Ihres bestimmt gemütlichen Heimes. Oder für Lebensmittel stundenlang anstehen wie ich es 1983 in der Sowjetunion (Moskau und Leningrad, so hiess St. Petersburg damals noch) erlebt habe und nicht wissen, ob es dann überhaupt noch was gibt. Oder Sie wären in einem Schützengraben stationiert, in Nordsyrien zum Beispiel. Spüren Sie, wie Dankbarkeit aufkommt? Dankbarkeit, eine der wertvollsten Emotionen und so vernachlässigt. Versuchen Sie mal gleichzeitig dankbar und sauer oder gar aggressiv zu sein. Ein Ding der Unmöglichkeit!

Es gibt allerdings zwei Probleme mit dieser Dankbarkeit:

1. Wem danke ich überhaupt? Wer nicht gläubig ist, dessen Dankbarkeit kann ins Leere gehen.
2. Die Gewöhnung. Das Gehirn des Menschen reagiert zwar oft heftig auf jegliche Veränderungen, aber gewöhnt sich schnell an neue Zustände. Das ist von Vorteil, wenn uns Unheil zustösst: Wir den Lebenspartner verlieren, die Stelle, eine Prüfung nicht bestehen. Der Psychologe Dan Gilbert spricht vom psychologischen Immunsystem mit entsprechenden „Antikörpern“. Und auch das hat eine Kehrseite:
Wir gewöhnen uns auch rasch an schöne Dinge: Die Lohnerhöhung, das neue Auto, eine bestandene Prüfung, selbst die heisseste Flamme der Liebe soll eine Halbwertszeit von lediglich 3 Monaten haben, bevor sie den ersten Kühleffekt erlebt.

Dankbarkeit ist der Versuch, gegen die Gewöhnung anzukämpfen. Leider gewöhnen wir uns auch an diese mentale Herangehensweise. Immer nur positiv zu denken, macht nicht glücklicher.

Zum Glück haben Dan Gilbert und Timothy Wilson noch eine gute Nachricht für uns bereit: Die mentale Subtraktion kennt keinen dieser Nachteile.  Die beiden Forscher konnten zeigen, dass mentale Subtraktion das Glück signifikant stärker erhöht als das dauernde Denken an schöne Dinge des Lebens. Bereits die Stoiker* kannten diesen Trick schon vor 2000 Jahren: Statt daran zu denken, was man alles nicht besitzt, ist es besser, sich Gedanken darüber zu machen, wie stark man die Dinge, die man schon besitzt, vermissen würde, wären sie noch nicht in unserem Besitz.

Der Wissenschaftler Paul Dolan schreibt: „Unser Glück ist uns oft nicht bewusst. Stellen Sie sich vor, Sie spielen Klavier, hören aber nicht, wie es klingt. Vieles in unserem Leben ist wie Klavierspielen, ohne dass man es hört.“

Es ginge darum, anfangen bewusst zu spielen (leben), Klavier oder irgendetwas. Aber eben: Anfang, Neustart – was für schwere Worte – wenn es da nicht ein Seminar dazu gäbe....

© Marco Caimi

* Die Stoiker (Beginn der stoischen Ethik ca. 300 v.Chr.) besassen Eudamonia, die vollkommene Glückseligkeit, herbeigeführt aus den Kardinaltugenden Weisheit, Mässigung, Gerechtigkeit und Tapferkeit.



Dienstag, 30. Januar 2018

HOCHSCHULE IM TIEFFLUG

Eugen Gomringer (93) ist ein wunderbarer Dichter. 2011 hat er den Poetikpreis der Alice Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf erhalten. Dafür bedankte er sich mit dem spanischen Gedicht „avenidas“ (dtsch: Alleen).




avenidas
Avenidas y flores

flores
flores y mujeres                  

avenidas
avenidas y mujeres

avenidas y flores y mujeres y
un admirador


(Alleen
Allen und Blumen

Blumen
Blumen und Frauen

Alleen
Alleen und Frauen

Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer)

Das Gedicht ist an einer Seitenfassade der Hochschule angebracht.
2016 haben sich Studierende beschwert, das Gedicht sei sexistisch und müsse deshalb entfernt werden. Der Allgemeine Studierendenausschuss der Hochschule (Asta) schrieb dazu einen offenen Brief an den Akademischen Senat der Hochschule (ASH). Der entscheidende Auszug daraus: „Dieses Gedicht reproduziert nicht nur eine patriachale Kunsttradition, in der Frauen ausschliesslich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren, es erinnert zudem unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind.“
Der Akademische Senat ging am 24. Januar 2018 darauf ein und beschloss, im Rahmen einer Sanierung, das Gedicht zu entfernen.

Wenn man die Biographie von Alice Salomon kennt, weiss man, dass sie sich in ihrem Grab hin- und her wälzt ob der Entscheidung des Akademischen Senats: 1872 in Berlin geboren, war sie eine engagierte Sozialreformerin. Im deutschen Frauenbund setzte sie sich für die materiellen und psychischen Belange alleinerziehender, damals sogenannt „eheverlassener“ Mütter ein. Als Angehörige der jüdischen Religion wurde sie vor die Wahl gestellt, entweder in ein KZ eingeliefert zu werden oder zu emigrieren. Alice Salomon verstarb 1948 in New York. Sie lebte demzufolge zu einer Zeit, als man Kunst und Bücher vernichtete oder gar verbrannte. Das dürfte den bescheidenen und genderverwirrten Geistern des Studierendenrates aber nicht bekannt sein.
Tobias Wenzel brachte es in der morgendlichen Kultursendung von Radio SRF 2 exakt auf den Punkt: Die Alice Salomon-Hochschule sollte sich umbenennen – in Hochschule der Ignoranz.



Dienstag, 19. Dezember 2017

VOM ALPHA – ZUM BETA – MANN: Die andere Weihnachtsgeschichte

„Die meisten Frauen setzen alles daran, einen Mann zu ändern. Wenn sie ihn dann geändert haben, lieben sie ihn nicht mehr.“
Marlene Dietrich

Ich war ein Biker. Ich war männlich verwegen, ich war frei und hatte lange Haare. Meine Frau lernte mich kennen, nicht umgekehrt. Sie stellte mir förmlich nach. Egal, wo ich hinkam, sie war schon da. Das ist nun zwölf Jahre her. Damals war ich ein eingefleischter Motorradfahrer, trug nur schwarze Sweatshirts, ausgefranste Jeans und Bikerstiefel – und natürlich lange Haare. Klar hatte ich auch ein Outfit für besondere Anlässe:
Dann trug ich ein schwarzes Sweatshirt, ausgefranste Jeans und weisse Turnschuhe. Hausarbeit war eher ein Übel, dem ich, wenn immer möglich, aus dem Weg ging. Aber ich mochte mich und mein Leben, wirklich. So also lernte sie mich kennen: „Du bist mein Traummann, so verwegen, so frei.“

Mit der Freiheit war es bald vorbei, wir beschlossen zu heiraten. Na ja, wieso auch nicht, ich war männlich, verwegen, fast frei und ich hatte lange Haare. Bis zur Hochzeit. Kurz vorher dröhnte an mein Schallgebälk ihrerseits: „Du könntest wenigstens zum Friseur gehen, schliesslich kommen meine Eltern zur Trauung.“ Stunden, nein Tage, Wochen und endlose Tränen später gab ich nach und liess mir eine modische Kurzhaarfrisur verpassen, denn ich liebte sie, und ja, ich war männlich, verwegen, fast frei und es zog plötzlich auf meinem Kopf. Und ich war vor allem sooooo lieb.
„Schatz, ich liebe dich genauso wie du bist“, hauchte sie.

Das Leben war in Ordnung, obschon es auf dem Kopf etwas kühl war. Es folgten Wochen friedlichen Zusammenseins, bis meine Frau, jawohl, ich habe ja gesagt, unter den bohrenden Blicken meiner Schwiegereltern, mit einer grossen Tüte unter dem Arm vor mir stand. Sie holte ein Hemd, einen Pullover und eine neue Hose mit Bügelfaltz hervor und sagte: „Probier das bitte mal an.“ Tage, Wochen, sogar erst Monate später gab ich nach und trug fortan Hemden, Pullover und Stoffhosen mit Bügelfaltz. Es folgten schwarze Schuhe, teilweise hochglanzpoliert, Sakkos, Kravatten und Kamelhaarmantel. Kein Problem, ich war schliesslich männlich, verwegen, todschick, fast frei und es zog auf meinem Kopf.

Dann folgte der grösste Kampf, der um das Motorrad. Er dauerte nur kurz, denn im schwarzen Anzug, der einengt, kneift und zwickt sowie mit drückenden Lackschuhen wird jeder Krieger zur lahmen Ente. Aber kein Problem, ich war männlich, verwegen, spiessig, fast frei, ich fuhr eine Familienkutsche und es zog auf meinen Kopf.

Mit den Jahren folgten viele Kämpfe, die ich allesamt in einem Meer von Tränen verlor. Ich spülte, bügelte, kaufte ein, lernte Volkslieder auswendig, trank französischen Rotwein (igitt...) und ich ging Sonntags spazieren. Abends kamen dann immer die Schwiegereltern, die ich bekochen durfte, um anschliessend auch noch die Küche zu machen, denn meine Frau musste sich mit Mama unterhalten. Aber kein Problem, ich war ja mal männlich gewesen. Und ja, verwegen – und frei! Ich hatte eben eine persönliche Weiterentwicklung gemacht zum Weichei, gefangen, nacherzogen und fühlte mich scheisse. Und es zog auf meinem Kopf.

Es dauerte nicht mal lange und meine Frau stand mit gepackten Koffern vor mir: „Ich verlasse dich.“ Total erstaunt fragte ich sie nach dem Grund.
„Ich liebe dich nicht mehr, du hast dich so verändert. Du bist nicht mehr der Mann, den ich mal kennengelernt habe.“

Vor einigen Tage traf ich sie wieder. Ihr Neuer ist ein langhaariger Biker, mit zerissenen Jeans und Tatoos. Er sah mich mitleidig an. Ich glaube, ich werde ihm zu Weihnachten eine Wollmütze schenken.



Marco Caimi, nach einer Idee von Björn Leimbach

Mittwoch, 23. August 2017

FROH- ODER DROHMEDIZIN ?

Hinter diesem Thema verbirgt sich die gesamte Medizin. Die drei Worte körperliche Aktivität und „Diät“ (bedeutet ursprünglich Lebensführung) sind von zentraler Wichtigkeit für die Existenz des Menschen. Am besten erkläre ich Ihnen das an Herrn Mustermann.

Mustermann hat Angst vor Krebs. Speiseröhrenkrebs. Völlig zu Recht. Er leidet an chronischem Sodbrennen. Dies führt, wie wir wissen, zum Barrett-Syndrom und dann möglicherweise zum Krebs.

Zeitgerecht hören wir in der Vorwoche von Prof. Siewert, dass dieser Krebs etwa 1000 Menschen jährlich in Deutschland befällt. Und – so Prof. Fischer, Deutsche Krebshilfe – dass dieser Krebs einzigartig sei: Hier seien nämlich die wesentlichen Risikofaktoren und Vorstufen bekannt. Und die sind: Übergewicht, ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum.

Übergewicht beseitigt man durch körperliche Aktivität und kohlenhydratarme Ernährung, und ungesunde Ernährung und Alkoholkonsum durch gesunde Nahrung. Wir wissen bei diesem Krebs also ganz präzise, wie wir ihn mit Sicherheit verhindern können.

Seltsamerweise erklärt uns die Deutsche Krebshilfe im gleichen Artikel, dass jetzt ein 3-Jahres-Verbundprojekt gestartet sei, um dieses Barrett-Carcinom näher zu erforschen. Ich greif mir da an den Kopf. Was will man denn da erforschen?

Aber weiter: Nehmen Sie das Colon-Carcinom. Prof. Scheppach erklärt auf dem Darmkrebs-Kongress in Würzburg Mai 2002, dass man durch Anheben der Vitaminspiegel im Blut die Inzidenz des Dickdarmkrebses um 75% senken könne.
75%: Heißt in der Praxis, dass man diesen Krebs bereits weitgehend beherrschen kann. Durch Vitamine. Das war nämlich das Ergebnis u.a. der Krankenschwester-Studie Los Angeles an 76.000 Teilnehmern. Die hatten täglich Mikronährstoffe (Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe) eingenommen.

Wenn ich so etwas höre, weiß ich, dass man mit Ernährung, in diesem Fall Vitaminen, und wenn man den Krebszellen Zucker entzieht, viele Krebsformen praktisch in den Griff bekommen kann. Verschreiben Sie Ihren Patienten täglich genügend Vitamine?

Und natürlich wissen wir schon lange, dass bei Menschen, die sich täglich bewegen, die Darmkrebshäufigkeit auf die Hälfte reduziert wird. Ebenfalls Prof. Scheppach. Also zusammengefasst: durch Bewegung 50%, durch Ernährung 75% Reduktion Wir dürfen sagen, dass wir den Darmkerbs mit diesen zwei Begriffen im Griff haben.

Und dennoch – wie Sie wissen – starten wir in Deutschland, der Schweiz Großprävention mit der Colonoskopie. Gucken also hin, ob der Krebs schon da ist. Sehr wichtig, vor allem bei 50+. Wissen aber gleichzeitig auch, wie wir ihn verhindern könnten...

Oder nehmen Sie den Brustkrebs. Die Direktorin der Univ. Frauenklinik München, Prof. Kiechle, berichtet, dass 8 Stunden Sport pro Woche die Inzidenz des Mamma-Carzinomes um 50% senkt. Also nur noch halb so viel Operationen, Chemotherapie, Leid und Tränen. Allein durch Bewegung. Bewegt sich daraufhin jede deutsche Frau acht Stunden pro Woche?

Und schon länger ist uns bewusst, dass Japanerinnen aufgrund ihrer Kost, darunter Soja, kaum vom Brustkrebs befallen werden – genauso wie Japaner kaum Prostatakrebs bekommen. Wenn Sie wieder addieren Bewegung und Ernährung können Sie zusammenfassend sagen, dass wir uns über Brustkrebs eigentlich keine Gedanken mehr machen müssten!

Und so könnten wir jetzt jede Krebsform besprechen. Gehen wir aber zu einer noch häufigeren Todesursache, den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, also der Arteriosklerose mit Herzinfarkt und Schlaganfall. Die häufigste Todesursache in Deutschland.

Seit der Framingham-Studie, seit den wissenschaftlichen Arbeiten von Prof. Leaf, Harvard University, wissen wir, dass Gesellschaften mit einem Cholesterinspiegel unter 150 mg% praktisch keinen Herzinfarkt kennen. Keine Gefäßerkrankungen kennen.

Das liegt natürlich nicht am Cholesterin. Ein grober Irrtum in der Vergangenheit. Sondern Cholesterin ist nur ein Parameter für eine ganz bestimmte Lebensweise. Wir kennen schließlich mindestens 6 messbare Gefäßrisikofaktoren, wovon nur einer das oxidierte LDL-Cholesterin ist. Und davon gibt es 7 Unterfraktionen mit unterschiedlichen Auswirkungen auf Ihr Herz-Kreislauf-Risiko. Kann schon mal um Leben und Tod gehen. Da braucht’s einen persönlichen Bodyguard. Wussten Sie das? Kennt Ihr Hausarzt diese Untersuchung? Führt er Sie bei Ihnen durch oder ist ihm das zu teuer wegen seiner Statistik? Wir messen das und verdienen nichts dabei, denn die Rechnung stellt das Labor. Na also, geht doch.

Und wie diese Lebensweise aussieht, wissen wir ganz genau. Sie kann beschrieben werden durch zwei Worte: Bewegung und Ernährung. Die Resultate messen wir fast täglich.
Wir wissen also, wie wir das Leben von Hunderttausenden jährlich retten könnten. Was tun wir? Wir schieben Herzkatheder und verschreiben für Milliarden Lipidsenker (= Cholesterinsenker).

Besonders eindrucksvoll das Buch „Fit wie ein Diabetiker“. Sogar in der Wirtschaftswoche (Wiwo) besprochen. Ein Mensch mit Diabetes Typ II beschreibt seinen Leidensweg und die Lösung. Beschreibt, wie er sich den Diabetes angegessen und angesessen hat, und wie er ihn durch Laufen und andere Kost ohne Tabletten wieder in den Griff bekommen hat. Im neuen Editorial der Wiwo wird stolz angemerkt, dass dieser Autor jetzt in den Talk-Shows herumgereicht wird, dass sich sogar Krankenkassen und Pharmafirmen für seine Methode, den Diabetes zu bewältigen, interessieren. Da greift man sich an den Kopf.

Wir alle haben ja wohl schon vor 10 Jahren diese berühmte Artikelüberschrift gelesen „Es gibt keine Diabetes Typ II, es gibt nur zu dick“. Ausnahmen (10%) bestätigen die Regel.

Und so könnte man endlos Krankheiten aufzählen, die es nicht geben würde, wenn die Worte Bewegung und Ernährung im tägliche Leben umgesetzt würden. Das ist uns Ärzten natürlich allen bekannt. Und wir wissen alle, warum es hier bis heute keine Lösung gibt. Warum wir weiterhin Milliarden für das Krankheitssystem aufwenden, warum wir weiterhin operieren, Chemotherapie anwenden, und Herz verpflanzen: Christian Barnard hat doch tatsächlich ein halbes Jahr vor seinem Tode einem Reporter gesagt: Herzen würde er heute im Alter, klug geworden, nicht mehr verpflanzen. Er würde sich heute darum kümmern, dass die Herzen gar nicht erst krank werden würden. Und wie? Mit einem Bewegungsprogramm, Ernährungsprogramm, Entspannungsprogramm. Wörtliches Zitat! Er war Südafrikaner. Südafrika kenn ich bestens, wie Sie wissen...

Aber Sie alle kennen die Schwierigkeit dahinter. Wie bringt man die Menschen dazu? Genau das möchten Sie heute hier von mir wissen. Und ich möchte Ihnen tatsächlich eine Lösung präsentieren.

Als erstes halbieren wir das Problem. Wir sprechen nicht über Ernährung. Nicht nur wir Ärzte, auch unsere Patienten wissen nämlich Bescheid. Sie wissen, dass sie 5 x am Tag Gemüse essen müssten, gute Fette essen müssten. Kaum leere Kohlenhydrate etc. etc. Tun es aber nicht. Und wenn wir uns an die eigene Nase fassen, wissen wir, dass wir selbst, wir Ärzte, es auch nicht tun. Dann sollten wir darüber auch nicht reden. Wenn man ein Kind Tag für Tag mit nörgelnder Stimme ermahnt, wird das Kind einem nicht mehr zuhören.

Und genau das tun die Patienten in Deutschland. Die hören uns und den Ernährungsfachgesellschaften schon lange nicht mehr zu. Das Überraschende ist doch: Müssen sie auch nicht. Es gibt keinen größeren Irrglauben als den, sich einzubilden, man könne seine tägliche Ernährung vernünftig mit dem Gehirn steuern.

Wir werden gesteuert. Unvernünftig Vom Bauch. Das Geheimnis liegt ganz woanders:

Wenn Sie das erste Wort, Bewegung ernst nehmen, erwacht in Ihnen die somatische Intelligenz, ein Instinkt, der z.B. Kinder leitet. Und diese Intelligenz würde Ihnen erzählen, was für Sie richtiges Essen ist. Das ist nämlich für jeden Menschen ein anderes. Wenn Sie sich täglich bewegen, werden Sie ganz automatisch immer richtiger essen, immer gesünder essen. Ein tiefes Geheimnis.

Und gleichzeitig die Lösung. Sprechen Sie bitte mit Ihren Patienten nicht über Ernährung. Sinnlos. Diesen Teil übernimmt der Körper instinktiv wenn Sie...

...die Menschen zum Bewegen, am besten zum Laufen bringen. Das ist das ganze Geheimnis und gleichzeitig höchste Kunst. Wie macht man das?

Die Lösung wird mit dem Wort Frohmedizin beschrieben. Wir alle haben gelernt und wir lehren die Drohmedizin. Wir Ärzte haben uns mit Krankheit, Leid und Tod beschäftigt. Und warnen natürlich: Wenn Sie sich nicht bewegen, trifft Sie der Schlag. Wenn Sie so falsch essen, bekommen Sie einen Herzinfarkt. Das nenne ich Drohmedizin.

Frohmedizin bedeutet, den Menschen die Vorteile klar zu machen. Wenn sie sich bewegen, werden sie wieder glücklich. Wenn sie sich richtig ernähren werden sie leicht, wach im Hirn und haben viel mehr Antrieb.

Auch der Frohmediziner, auch ich, habe täglich bei meinen fröhlichen Vorträgen sehr wohl die Krankheiten vor mir. Ich spreche aber nur noch selten darüber. Kennen Sie den Begriff der self-full-filling prophecy? Das tun wir Ärzte. Wenn alle Zeitschriften und wir über Krebs sprechen...

Frohmedizin spricht ganz bewusst über das Schöne, über das Positive, über das Erstrebenswerte, was ja – durchaus seriös, durchaus wissenschaftlich beweisbar – durch Bewegung (und richtige Ernährung) entstehen kann und tut.

Wie man so etwas praktisch macht, würde ich Ihnen gerne heute demonstrieren. Ich möchte Sie dazu bitten, sich für einen Moment in die Zielgruppe zu verwandeln. Also in die Dicken und Faulen. Sich bequem hinsetzen, auszuatmen und einfach nur zuzuhören (nach Dr. Ulrich Strunz):

Sie stellen sich jetzt also bitte vor. Sie wären dick und faul, und ich versuche, Sie zum Laufen, zum Joggen, zur täglichen Bewegung zu bringen. Fertig? Dann los:
Stehen Sie bitte auf. Jetzt.

Trippeln Sie bitte auf der Stelle. Jetzt.

Das war’s.

Das können Sie. Das schafft jeder von Ihnen eine Minute. Jetzt. Keine Kunst. Einfach auf der Stelle trippeln. Ganz mutige können eine zweite Minute anhängen und sich möglichst langsam vorwärtsbewegen. Mit schnellen kleinen Trippelschritten.

Strengt Sie nicht an. Fühlt sich sogar gut an. Man ist ein bisschen beweglicher, ein bisschen luftiger. Und macht – ganz nebenbei – eine ganz merkwürdige Entdeckung: Der Mensch trippelt auf dem Vorfuß. So wie das jeder Elefant (wussten Sie nicht?) auch tut.

Jetzt kommt’s: bitte trippeln Sie am ersten Tag eine Minute. Im Wohnzimmer. Am zweiten Tag zwei Minuten. Am dritten Tag drei Minuten. Im Wohnzimmer. Gucken Sie dabei zum Fenster raus. Am fünften Tag wird Ihnen die ganze Sache zu blöd: Sie verlassen das Haus.

Einverstanden. Trippeln Sie einfach ums Haus rum. Sechs Minuten. Am nächsten Tag sieben Minuten. Und wissen Sie was... Sie sind zum Läufer geworden. Mit einem Minimum an Konsequenz sogar schon zum Marathonläufer.

Durch den Trick des Trippelns, den Trick der minütlichen Steigerung gewöhnt sich ihre eingerostete Wade, auch die Achillessehne an die zugegeben belastende Bewegung des Vorfußlaufes. Wird langsam „ein“trainiert.

Und Sie bekommen von Anfang an das Gefühl: laufen ist leicht. Das kann ja meine Oma. Was reden die anderen immer so? Die anderen? Die wollen zu schnell zu viel. Die laufen gleich los, am schlimmsten in der Gruppe. Wollen sich beweisen, dass sie schon am ersten Tag eine halbe Stunde schaffen. Schneller, als ihnen gut tut. Hören folgerichtig sehr bald mit diesem Unfug auf.

Sie sind schlauer. Sie pirschen sich von unten, ganz langsam ans Ziel heran. Das Ziel? Merken Sie in der vierten Woche. Das Ziel heißt Reflex. 

Wenn Sie diese kleine Trippelübung täglich zur gleichen Zeit vier Wochen tun, wird sie zum Reflex. Wird Ihr Körper automatisch wollen. Wird drauf bestehen. Plötzlich gibt es auch keinen inneren Schweinehund mehr. Sie wollen.

Der sicherste Weg, auch als Dicker und Fauler zum Läufer zu werden. Nach vier Wochen sind Sie’s. Gratulation.

Übrigens:
Wissen Sie, ob Sie vorwiegend Kohlenhydrate oder Fett verbrennen? Wussten Sie, dass man das messen kann, in 5 Minuten, ohne Nebenwirkungen und Anstrengung? Misst das Ihr Hausarzt, bevor er Ihnen die nächste Diät verschreibt? Wir messen das. Na also, geht doch.
Kennen Sie Ihren Körperfettanteil? Viel wichtiger als das Gewicht, das fast nichts aussagt. Kennen Sie den Anteil des gefährlichen Fettes in Ihrem Körper, dem sogenannten viszeralen Fett? Wussten Sie, dass man das messen kann? Misst das Ihr Hausarzt? Kann um Leben und...hatten wir schon mal. Wir messen das. Na also, geht doch.
Das Problem sind nicht die Technik, die Hausärzte, Alain Berset, die Ernährungsgesellschaften, die Bundesämter für Gesundheit, die gerne neue Programme erfinden, um, Sie wissen schon...
Das Problem sind Sie. Ins Handeln kommen. Fokus. Ziele. Resultate. Eigenverantwortung. Map (=Massive action plan, nicht erst an Sylvester oder im Rehazenter). Sie. Der wichtigste Mensch für – Sie.

Bereits der grosse Erich Kästner wusste es: 
„Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es!“

 @ Dres. med. Marco Caimi et Ulrich Strunz


Passende Angebote in der Männerpraxis:

Unser Check-Parcours Bodyguard in der Männerpraxis (Flyer-Download)

Unser Abendseminar, um endlich ins Handeln zu kommen: „La Dolce vita





Freitag, 11. August 2017

ZARTE SEELCHEN...

Ein alter Schamane aus Indien unterrichtete seine Enkel in der Kunst des Heilens. Er sprach davon, dass auch in ihnen, wie in jedem anderen Menschen, zwei Wölfe leben und dauernd miteinander kämpfen.
„Einer der Wölfe erzeugt Krankheit,“ sagte der Schamane. „Seine Nahrung setzt sich aus Angst, Furcht, Wut, Neid, Gier, Eifersucht und Selbstzweifeln zusammen. Die des anderen Wolfs enthält die Gesundheit, Selbstvertrauen, Freude, Zuversicht, Glück, Demut, Liebe und Mitgefühl.“
Die Enkel lauschten gebannt seinen Worten und machten sich fleissig Notizen. Als der Schamane mit dem Unterricht fortfahren wollte, meldete sich einer der Enkel:
„Moment, Grossvater, du hast uns noch nicht verraten, welcher der Wölfe den Kampf gewinnt.“ Der Schamane antwortete seinem Enkel: „Ist das nicht völlig klar? Es gewinnt immer der Wolf, den du fütterst!“

Eine wunderbare Geschichte, die eine der wichtigsten Weisheiten des Lebens enthält: Dass wir unser Schicksal in den eigenen Händen haben. Es ist unsere Entscheidung, welcher der beiden Wölfe wir füttern. Aber es ist eine Entscheidung. Viele Menschen treffen selten Entscheidungen, was natürlich auch eine ist...Bloss: von welcher Qualität und Konsequenz?
Unsere Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden, ja selbst die Eigenliebe hängt davon ab, wie wir unser Leben gestalten, welchen Empfindungen wir Raum geben und welche wir nähren. Wenn sich unsere Seele wohlfühlt, weil wir den einen Wolf nähren, resultiert daraus Gesundheit und Wohlbefinden. Ein glücklicher Mensch ist viel seltener krank. Dazu gehört ein Leben zu führen, dass zu uns passt und unseren Wünschen entspricht. Dafür braucht man das Selbstvertrauen, ohne Angst Neuland zu betreten, ohne Furcht die eigene vermeintliche Komfortzone zu verlassen, die aber nicht selten eine Null-Emotions-Zone ist, eingezäunt von unserer Vollkaskomentalität oder wie kann es sonst sein, dass sich der Umsatz von Antidepressiva und Tranquilizern in den letzten 10 Jahren verdoppelt haben? Alles glückliche Menschen...

Angst lähmt und frisst die Seele auf 
Viele Menschen haben Angst. 40 Millionen Amerikaner werden pro Jahr mit einer Angststörung diagnostiziert. Starke Beruhigungsmittel wie Xanax bringen der Pharmaindustrie jährlich Milliarden Dollars ein. Wie die „New York Times“ kürzlich berichtete, haben die Angststörungen die Volkskrankheit Depression abgelöst. Laut dem National Institute of Mental Health leiden heute 38% aller Mädchen und 26 % aller Jungen zwischen 13 und 17 an einer Angststörung. In der Schweiz sind etwa 2/3 aller SchülerInnen dauernd oder irgendwann mal in einer psychologischen Abklärung oder Therapie. Schöne neue Welt: Auf den Campus der Universitäten und in Schulen ist die Angststörung das grösste Gesundheitsproblem. Die Generation der Babyboomer, zu der auch der Schreibende gehört, hat den Kindern jede Frustration zu ersparen gesucht. Jeder Harm wurde von den Kids ferngehalten. Kinder brauchen aber auch die Erfahrung, dass es im Leben Widerwärtigkeiten gibt und nicht nur Kuschelzoos. Im angelsächsischen Raum spricht man bei solchen Studenten und Schülern mit dem grossen Empfindsamkeitskult von „Snowflakes“, was übersetzt etwa so viel wie „zarte Seelchen“ bedeutet.

Der Zeitgeist? 
Obschon die Angststörung als klinische Erkrankung gilt, scheint die grassierende Ängstlichkeit mehr ein Symptom unserer Zeit zu sein. Der Systemtheoretiker Niklas Luhmann hat schon in den achtziger Jahren die Angst zum Grundrauschen unserer „durchrationaliserten und entemotionalisierten Gesellschaft“ erklärt.
Hinzu kommt, dass unser rastloser Lebensstill mit der ungeheuren Beschleunigung aller Kommunikationsprozesse die menschliche Psyche in stete Alarmbereitschaft versetzt. Wir kommen nicht mehr zur Ruhe und vor allem nicht mehr zu uns selbst. Wer sich abhanden kommt, hat Angst und verharrt wie das Kaninchen vor der Schlange. Der „aussengeleitete Mensch“ (Heinz Bude: Gesellschaft der Angst, 2014), der sich ständig an anderen statt an seinen inneren Werten und Zielen misst, in notorischer Angst vor dem Abstieg und deshalb in ängstlichem Konformismus lebt, ist der Normaltypus unserer Tage. Er ist getrieben vom Gefühl des Zeitdrucks, von chronischem Stress und Konkurrenzdenken in hochkompetitiven Ballungsräumen und ein Opfer dessen, was der italienische Philosoph Giacomo Marramao mit dem Begriff „Zeitsyndrom“ als Grundlage der globalisierten Gesellschaft erfasst hat: Der wachsenden Diskrepanz zwischen dem Übermass an Möglichkeiten und der fehlenden Zeit zu ihrer Erfahrung.
Auch jüngere Menschen, die ihren sozialen Status, für die meisten das Synonym des Selbst, an der Anzahl ihrer Likes ablesen und ihre realen Defizite an den durchgestylten Online-Profilen ihrer 799 Facebook-Freunden messen, geraten in eine lähmende Angstspirale.

Experten 
Sie sind sich nicht wirklich einig, was unter krankhafter Angst zu verstehen ist. Stützen wir uns also auf das „Diagnostic and Statistic Manual of Mental Disorders“. Dieses definiert die Angststörung als eine sich über mind. ein halbes  Jahr erstreckende Periode unkontrollierbarer Sorgen, die von mindestens drei der folgenden Konstanten begleitet ist:
  • Permanente Unruhe
  • Chronische Erschöpfung
  • Konzentrationsstörungen
  • Freudverlust
  • Entscheidungsunfähigkeit
  • Dauernde Anspannung und anhaltende Ein- und/oder Durchschlafstörung
Die grösste Angst ist diejenige vor dem Aktiv werden und dem Verändern. Seit mehr als zwei Jahrzehnten treiben mich zwei Frage und eine Gedanken-Frage herum:

Fragen:
  • Warum leben Menschen so unterschiedlich glückliche Leben?
  • Warum werden die einen aktiv und verharren die anderen in der Paralyse einer vermeintlichen Pseudosicherheit?
Gedankenfrage:
Was kann ich tun, wie muss ich kommunizieren, was muss ich vorleben, damit ich Menschen zum Handeln bringe?

So langsam beginnt es mir zu dämmern...Dieses Wissen möchte ich Ihnen gerne in unserem kurzweiligen Abendseminar „LA DOLCE VITA“ weitergeben.

Info und Anmeldungen unter 061/225 92 77 oder info@caimi-health.ch.
Die Teilnehmerzahl ist auf 10 beschränkt! (31. August 2017 ausverkauft!)

In uns allen schlummert so viel mehr, als die meisten von uns glauben. Tun Sie endlich, was Sie schon lange tun möchten. Schieben Sie Träume und Ziele nicht weiter auf und lassen Sie sich nicht länger von Ihren Ängsten oder einem geringen Selbstvertrauen begrenzen. Nehmen Sie Ihr Wohlbefinden, Ihre Eigenliebe, Ihre Kreativität und damit auch Ihre Gesundheit in die eigenen Hände: Werden Sie aktiv.

Ich freue mich auf Sie!

Dr. med. Marco Caimi





Freitag, 4. August 2017

ÄLTER WERDEN – NA UND?

Peter und Markus sind beide dieses Jahr 60 geworden. Peter ist seit drei Jahren verwitwet, Markus seit 10 Jahren geschieden. Sie kennen sich seit der Schulzeit und sind auch danach Freunde geblieben. Diese Freundschaft ist aber in den letzten Monaten etwas ins Wanken geraten: Peter mag das Jammern von Markus nicht immer gleich gut ertragen: Er fühlt sich stets müde und abgeschlagen, wird seine Pfunde nicht mehr los, am Arbeitsplatz wird er nicht mehr ganz ernst genommen, der Bewegungsapparat schmerzt zunehmend, er ist häufig stark erkältet und die Pillen, die ihm der Hausarzt verschrieben habe gegen hohen Blutdruck und zur Unterstützung seines Cholesterin- resp. Fettstoffwechsels mag er auch nicht immer nehmen. Nachts liegt er oft wach und grübelt, er fühlt sich zunehmend einsam, was auch damit zusammenhänge, dass er kaum noch Frauen kennen lernt. Auch Freunde hat er nur noch wenige. Er wird immer fauler, kann sich nicht mehr für körperliche Aktivitäten aufraffen, selbst das Einkaufen von Kleidern fällt ihm oft (zu) schwer, so dass er lieber in seinen allmählich abgetragenen Klamotten herumläuft. Schon kleinste Probleme stressen ihn unheimlich. Entsprechend sieht Markus aus: Unzufrieden, herabfallende Mundwinkel, fahle Haut, Wampe, wenig attraktive Klamotten, eingefallene Schultern, leerer Blick ohne Lebensfreude. In seiner Freizeit schaut er viel fern, oft wahllos.
Anders Peter: Minimales Übergewicht, gesunde Hautfarbe, fröhliche Ausstrahlung, leuchtende Augen, hat sich vor 5 Jahren noch selbständig gemacht, weil er kein „corporate animaler Erfüllungsgehülfe“ von jungdynamischen HSG- und Harvard-Master-Abgänger mehr sein wollte. Peter ist voller Energie, meist gut drauf, mit einem ehrlichen Lächeln im Gesicht, über das Alter und seine Rente macht er sich wenig Gedanken. Aufgrund seiner einnehmenden Art fällt es ihm nicht schwer, Leute kennen zu lernen, auch Frauen. In seiner Freizeit trifft er Freunde und scheut sich auch nicht vor der Natur.

Unterschiedliches Altern 
Warum altern wir so unterschiedlich? Eine Frage, die viele umtreibt, auch Bioengeenering- und ähnliche Firmen. Viele sagen, es seien die Gene, andere die Umwelt und nicht wenige, der persönliche Lebensstil. Der Adipositas-Forscher George Bray hat es auf seine Art formuliert: „Gene laden die Pistole und der Lebensstil und die Umwelt drücken ab.“

Was aber sind Alterungsfaktoren? 
·         - Zunahme des Körperfettanteils
·         - Abnahme der Muskulatur
·         - Zunahme der Insulinresistenz (=höhere Zuckerwerte)
·         - Erhöhung des Blutdrucks
·         - Erhöhung des Ruhepulses
·         - Erhöhung der schlechten Cholesterinwerte
·         - Verminderung der Herz-Kreislauf-Kapazität
·         - Abnahme der Libido (Lust)
·        -  Abnahme der Potenz
·         - Abnahme der Koordination und Beweglichkeit (= erhöhte Sturzgefahr)
·         - Abnahme der Gehirnmasse
·         - Abnahme von Konzentration und Merkfähigkeit
·        -  Schlaffer werden der Haut
·         - Zunahme von Stimmungsschwankungen und Erschöpfungsdepressionen
·         - Steigende Krebshäufigkeit und anderer chronischer Erkrankungen
·         - Zunehmende Isolation

Älter werden ist wirklich toll, gell...? Viele dieser Faktoren setzen zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr bereits ein, denn für die Natur haben wir theoretisch unseren Reproduktionsauftrag erfüllt. Nach dem 50. Lebensjahr kommt eine deutliche Beschleunigung hinzu...

Die viele umtreibende Frage lautet: Sind wir dem „einfach so“ ausgeliefert? Die mittlerweile hochwissenschaftliche und nicht mehr billig antiaging-mässige Antwort lautet entschieden: NEIN!

Um zu verstehen, was wir alles dagegen tun können, müssen wir in die Tiefe unserer Zellen, von denen wir ca. 70 Billionen besitzen, steigen. Lange dachten wir, dass die Zelle die kleinste Einheit unseres Körpers ist. Was sich darin abspielte, wussten wir nicht. Die Zelle war für uns gewissermassen eine Black Box. Erst in der Mitte des letzten Jahrhunderts begann die Wissenschaft dieses Geheimnis zu lüften, unter anderem auch dank der Erfindung des Elektronen-Mikroskopes.
Man entdeckte den Zellkern, die DNA (Watson und Crick) und verstand die Funktion der Chromosomen, auf denen sich unsere Gene befinden, besser und besser.  Bei den Chromosomen begegnen wir an deren Enden den Telomeren, spezielle Abschnitte der DNA, die bei jeder Zellteilung kürzer werden. Diese Telomere beeinflussen, wie schnell Zellen (und damit auch wir) altern. Dies hängt davon ab, wie schnell sich die Telomere abnutzen. Die ausserordentliche Entdeckung, die u.a. die Medizin-Nobelpreisträgerin von 2009, Elisabeth Blackburn und ihr Team, aber auch andere Forschergruppen, gemacht haben, besteht darin, dass sich die Enden unserer Chromosomen tatsächlich verlängern können. Folglich ist Altern nicht einfach Schicksal, sondern ein dynamischer Prozess, der beschleunigt oder verlangsamt oder sogar rückgängig gemacht werden kann! Altern muss nicht, wie lange Zeit geglaubt, eine Einbahnstrasse hin zu Verfall und Siechtum sein. Älter werden wir alle, aber wie, hängt in hohem Masse von unserer zellulären Gesundheit ab – und die haben wir in unseren eigenen Händen!

Zellalterung
Bisher lautete die Frage: Warum altern Menschen unterschiedlich? Die wichtigste Ursache ist das Altern der Zellen. Neu lautet die Frage also: Was führt dazu, dass Zellen schneller oder gar vorzeitig altern? Die Antwort liegt in den Telomeren, also unseren Chromosomen-Enden.
Zu Ihrem besseren Verständnis, was Telomere sind:
Stellen Sie sich Schnürsenkel vor. An ihren Enden hat es Plastikkappen, sogenannte Stifte oder Pinken. Diese sollen verhindern, dass die Schnürsenkel ausfransen. Stellen Sie sich nun bitte vor, die Schnürsenkel wären die Chromosomen. Die Telomere sind genau diese Stifte, die verhindern, dass die Chromosomen und damit das Erbmaterial zerfasert. Leider verkürzen sich die Telomere im Lauf eines Lebens, insbesondere bei unsachgemässer Wartung gehen die Stifte kaputt und die Chromosomen fransen aus wie Schnürsenkel. Dann kann man sie auch wegwerfen, wie die Zellen auch, denn die Telomere werden immer kürzer und kürzer, bis sich die Zelle nicht mehr teilt und „seneszent“ wird. Man könnte auch von „Zelldebilität“ sprechen. Seneszente Zellen verlieren aber nicht nur die Fähigkeit zur korrekten Teilung (replikative Seneszenz), sondern stecken andere Zellen an, wie eine faule Orange die anderen in einem Bottich: Sie setzen entzündungsfördernde Substanzen frei (Zytokine), die uns anfälliger für Schmerzen und chronische Erkrankungen, zu denen infolge Zellfehlteilung(en) auch Krebs gehört. Es endet die Gesundheitsspanne viel zu früh und es beginnt die Krankheitsspanne.

Einfluss auf die Telomere
Die weltweite Forschung hat diverse negative Beeinflusser der Telomere, deren Länge übrigens in hochspezialisierten Labors bestimmt werden kann, eruiert:

Psyche
·         - Chronischer Stress
·         - Mangelhafte oder fehlende Resilienz (Umgang mit chron. Stress)
·         - Mangelnde mentale Regeneration (Entspannung)
·         - Mangelnde Sinnfindung beruflich und/oder privat
·         - Starke ungewollte Abhängigkeiten

Physis
·         - Mangelnde körperliche Aktivität
·         - Schlechte Schlafqualität
·         - Zu wenig Schlaf (mangelnde körperliche Regeneration)
·         - Gestörter Zucker- und Fettstoffwechsel
·         - Ernährungssünden (zu hoher Zuckerkonsum, zu viel industriell gefertigte Nahrung)
·         - Genussmittel im Übermass

Umwelt
·         - Arbeitsplatzunzufriedenheit
·         - Zu langer Arbeitsweg
·         - Toxische Expositionen
·         - Unbefriedigende Wohnsituation
·         - Mangelhafte oder schlechte Beziehungsqualität
·         - Isolation

(Zu den positiven Beeinflusser gehört immer der Umkehrschluss zu den obenstehenden Kill-Faktoren). Klartext-Beispiel: Eine schlechte Beziehung hat nicht nur mit Glück oder weniger Glück zu tun, sondern ist ein vorzeitiger Alterungs- und Lebensbegrenzungsfaktor.

Im Rahmen unserer langjährigen Stress- und Resilienz-Recherchen tut sich nun auf intimster Ebene unseres Körpers, der Zelle und ihrem Kern, ein Füllhorn von faszinierenden Beeinflussungsmöglichkeiten auf für ein Leben in Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit, Humor und sehr langer Gesundheitsspanne!

Gerne würden wir Ihnen vieles davon mehr in unserem Abend-Seminar
"LA DOLCE VITA – was uns antreibt oder bremst" näher bringen.

Info und Anmeldungen unter 061/225 92 77 oder info@caimi-health.ch.
Die Teilnehmerzahl ist auf 10 beschränkt!


Wir freuen uns auf Sie!

© Dr. med. Marco Caimi




Montag, 15. Mai 2017

DIE BESTE MEDIZIN

„Nichts in der Welt wirkt so ansteckend wie das Lachen und gute Laune“, hat Charles Dickens einmal gesagt. Der Philosoph Immanuel Kant meinte: „Drei Dinge helfen die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.“ Und Charlie Chaplin sagte: “Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“

Der Tag des Lachens

Wussten Sie, dass es einen Weltlachtag gibt? In der Tat, jeweils am 7. Mai. Leider habe ich noch nie eine Bühne gefunden, um an diesem Tag Kabarett zu machen. Er wird seit 1998 zelebriert. Ins Leben gerufen hat ihn Madan Kataria. Der Gründer der Lach-Yoga-Bewegung hat seine eigene Philosophie: „Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind. Wir sind glücklich, weil wir lachen.“

Lachen ist nicht Lachen...

Vorsicht: Nicht jedes Lachen ist echt, manchmal lächeln wir auch aus Höflichkeit. So ein falsches Lachen ist leicht zu erkennen, am Tonfall oder wenn es abrupt aufhört. Vor allem aber erkennt man es an den Augen. Ein echtes Lächeln, das sogar einen eigenen Namen hat: Duchenne-Lächeln, benannt nach dem französischen Wissenschaftler Guillaume-Benjamin Duchenne, aktiviert den Augenringmuskel, den man nicht bewusst steuern kann. Kleinste Hautverdickungen und kurzfristige Krähenfüsschen zeigen: Das Lachen ist echt!

Die Gelotologie, begründet vom Psychiater William F. Fry, ist die Wissenschaft, die die Auswirkungen des Lachens untersucht. Viele Erkenntnisse hat sie bereits hervorgebracht wie zum Beispiel, dass fröhliche Menschen gelassener, optimistischer, kreativer, weniger nervös, kontaktfreudiger, beliebter und dadurch auch erfolgreicher sind. Lacht man eine Minute lang, entspricht dies einem 45minütigen Entspannungstraining.

Eine verrückte Studie

Eine ganz spezielle, aber trotzdem eindrückliche Studie haben Ernest Abel und Michael Kruger von der Wayne State University durchgeführt. Sie haben sich die Autogramm-Karten von 230 Baseball-Spielern aus dem Jahre 1952 genauer angeschaut. Ergebnis der Untersuchung:
Im Schnitt wurden die, die auf dem Foto nicht gelächelt haben, 72,9 Jahre alt. Die, die breit gegrinst haben, 79,9 Jahre.

Es bräuchte aber gar keine Studie, um zu wissen, dass häufiges Lachen das Leben verlängert: 80 Muskeln am ganzen Körper und 17 im Gesicht sind an einem herzhaften Lachen beteiligt. Herz-Kreislauf-System, Stimmbänder, Zwerchfell und Stoffwechsel werden stimuliert. Nach dem Lachen sinken der Blutdruck und der Puls, körpereigene Rauschgifte (Endorphine) sorgen für Glücksgefühle, Stresshormone werden abgebaut oder deren Ausschüttung gedrosselt. Mehr Sauerstoff wird über die Lunge in den Körper transportiert und es gelangen mehr Abwehrstoffe ins Blut. Die Schmerzempfindlichkeit nimmt ab, wenn man lacht und das Wichtigste zuletzt: Lachen macht glücklich und wird dadurch zur besten und günstigsten Medizin, frei von unerwünschten Nebenwirkungen.

Der Zahn der Zeit...

Trauriger Fakt: Mit den Lebensjahren vergeht einem offenbar das Lachen: Während Kinder im Vorschulalter jeden Tag mehr als 400 Mal lachen, tun das Erwachsene nur noch 15 Mal am Tag – wenn überhaupt. Nicht nur der Spieltrieb nimmt offenbar ab, sondern auch das Bedürfnis (oder die Gelegenheiten?) zum Lachen. Wir hören ja nicht auf zu spielen, weil wir älter werden, sondern wir werden älter, weil wir aufhören zu spielen...Das Gleiche gilt auch für das Lachen.

Die gute Nachricht zu Schluss

Lachen wirkt ansteckend – wusste doch schon Charles Dickens! Daher macht es Sinn, sich nicht nur mit Miesepetern zu umgeben. Gut ist, wenn man als Vorbild vorangeht: Schenken Sie mal wieder ein Lächeln, auch jemandem Fremden und pfeiffen Sie dabei auf irgendwelche Correctnes. Sie werden sehen – meist kommt eines zurück.

Gehen Sie an Orte, wo gelacht wird: In gesellige Runden, ins Kino oder noch besser: Ins Kabarett oder die Komödie!

Auch als Kabarettist suche ich selbst solche Orte auf. Das und selbst ab und an auf der Bühne zu spielen brauche ich, um das heutige Gesundheitswesen mit Typen wie Alain Berset auszuhalten – beste Psychohygiene gegen staatliche Dummheit!
(Zu Risiken und Nebenwirkungen dazu fragen Sie mich als Arzt oder Alexander Haener als Geschäftsführer oder lesen die Homepage: megaschwiizer.ch)


© Dr. med. Marco Caimi, Arzt und Kabarettist



Freitag, 5. Februar 2016

Betreff-Zeile: VERMISSTENANZEIGE

„Im Wald zwei Wege boten sich mir dar,
und ich nahm den, der weniger betreten war,
und dies veränderte mein Leben.“
Robert Lee Frost



Einen Tipp zuvor: Bevor ihr empört den Newsletter abmeldet, schlaft mal drüber. Hab ich doch alles auch erlebt. Mehrfach. In allen Rollen.

In meiner Sprechstunde habe ich mich mit einigen über die Kunst
der Zwischenmenschlichkeit unterhalten - neudeutsch Paartherapie. Über Missverständnisse. Über eine Paarkommunkation, die man in den wesentlichen Punkten auch Stummfilm nennen könnte. Über Sehnsüchte und Seelenverwandschaften. Über Leid und Aufbruch. Über Toleranz und trotzdem vieles nicht verstehen können. Über fehlende Aufmerksamkeit, über ausgflogene Neugier, über vergrabene Verspieltheit. Ja, und über falsche Scham, die so vieles verhindert und kaputt macht.
Oft liegt es nur im kleinen Argen, der Teufel steckt nicht selten in den Details. Am Ende ist es die Summe.

Deshalb haben wir uns entschlossen, diese gehörte Kreatur mit Pferdefuss in einem Seminar auszutreiben. Nicht einfach, denn es braucht Mut, sich für so etwas anzumelden. Eine undefinierbare Angst hindert uns daran. Das Wort Angst hat indogermanische Wurzeln („anghu“) und heisst dort so viel wie „beengend“. Wie manchmal das Leben, für viele ein Mix zwischen Gefängnis und Wartezimmer auf den Tod.

Auf was wollen wir denn warten? Verharren wir nicht schon in einer Rente der Gewöhnung? Warten heisst Stillstand heisst Sterben. Ja, in der Tat sind viele schon vor dem letzten Atemzug tot. Wo sind die Fackelträger unseres wachen Bewusstseins geblieben?

Haben wir uns als Kind nicht mal das Versprechen gegeben, die Welt offen und vorurteilsfrei zu entdecken? Steckte nicht in jedem neu entdeckten Kieselstein eine kleine Welt? War nicht jede Pfütze ein See und jeder Tümpel, über den wir die Steine geschilffert haben, ein Ozean? Du glaubst mir nicht? Schau dir Fotos aus deiner Kindheit an und vergleiche deine Augen, deinen Blick, deine Ausstrahlung mit der Jetzigen....

Was haben wir uns als schon „Erwachsene“ ins Ohr geflüstert, als wir zusammen gekommen sind? Alles vergessen oder im Sumpf gesellschaftlicher Konventionen und der unerträglich gewordenen Gender- und Politkorrektheit erstickt?

Wo ist sie geblieben, diese Neugier, diese Unbeschwertheit, diese Offenheit? Haben wir sie tatsächlich abgegeben, zuerst an der Schul- dann an der Bürogarderobe? Und zu Hause? Dort hat sie nicht mehr mal mehr an der Garderobe Platz, sondern wir motten sie in einer Kiste ein und die steht im Keller oder auf dem Dachboden...Dieses „Aufräumen“ nennt man dann: „Wir haben uns irgendwie auseinander gelebt...“ Und meinen, dass uns der andere „einfach nicht mehr wahrgenommen hat.“ Dabei missachten wir das elfte Gebot: „Du sollst Gott nicht langweilen...“

Es gibt niemanden, den ihr für euren Beziehungs-Dauerschlaf verantwortlich machen könnt. Nein, auch nicht sogenannte Drittpartner oder Affairen. In euch drin seit ihr immer noch Löwen, aber mittlerweile grassfressend auf der Weide stehend, weil ihr glaubt, das Leben hat euch zu Kühen und Ochsen mutiert.

Sind wir Menschen nicht oft listige Winkeladvokaten, die sich faule Kompromisse bestens erklären können? Doch unser Herz, unser Geist, unsere Seele, sind nicht käuflich, ihr Gespür ist integer und authentisch. Es pfeifft auf Argumente und bleibt unberechenbar für die Dealer der Routine. Gewinnen diese die Überhand, heisst es plötzlich Infarkt, Hirnschlag, Burnout oder Depression.

Der Schwarzwald – nicht weit und optimal, um aufzuwachen. Lös das Versprechen deiner Kindheit wieder ein. Sooo viel Zeit bleibt nicht.

Seminar „Liebessprache“, 16./17. April, Saiger Höh/Schwarzwald.


Mehr Infos und Anmeldung unter caimi-health.ch

Freitag, 1. Januar 2016

EINE GEMEINDE – ZWEI WELTEN


St. Margrethen, 402 M.ü.M, 5750 Einwohner, liegt im Kanton St. Gallen und gehört politisch zum Wahlkreis Rheintal. Es wird auch das „Schweizer Tor zum Osten“ genannt, bedeutungsvoll vor allem auch während der Zeit, als die Schweiz noch den Saisonnier-Status kannte (1934-91). Ich erinnere mich an den Sommer 87, in dem ich als Wahlstudienjahr-Student in St. Margrethen eine Praxisvertretung inne hatte und an einem Tag 153 grenzsanitarische Eintrittsuntersuchungen inkl. Schirmbild zusammen mit eine MPA durchführen durfte (nebst einer offenen Sprechstunde und zu allem Übel konnte ich auch die Schrift der Chefin in den Krankengeschichten lange nicht entziffern – es waren lange Tage). Es war auch die Zeit, als man noch gesittet über die Grenze in die Schweiz kam, mit Papieren, dem Willen, sich registrieren zu lassen und dem Ziel, in der Schweiz zu arbeiten: Während 10 Jahren für max. 9 Monate pro Jahr, erst dann gab es die Niederlassungsbewilligung und weitere vier Jahre später war der Familiennachzug möglich.

Mein Studienfreund Sebastian, ein gebürtiger Rorschacher, Kanton St. Gallen (!), meinte, es gäbe nur noch ein Kaff, dass hässlicher wäre als St. Margrethen: Gossau. (Das ist dort, wo man mit Kopftuch, aber nicht mit Edelweisshemd in die Schule kommen darf). Nun ist das mit den Wohnorten so wie mit den Festen und Jobs: Es kommt auch immer darauf an, was man daraus macht.

Mein Sohn Philipp, 31, arbeitet in St. Margrethen als Leiter der dortigen „Mobiliar“-Agentur. Er ist auch Präsident des lokalen Gewerbeverbandes. Seine langjährige Freundin Martina wurde nach vielen Weiterbildungen soeben von der Gemeinde zur Leiterin eines Alten- und Pflegeheims berufen. Ihre Eltern betreiben einen Bauernhof mit Schwerpunkt Heuwirtschaft. Bei den Vorstellungs-Gesprächen vor den entsprechenden Kommissionen wurde Wert darauf gelegt, dass Martina u.a. auch am lokalen Vereinsleben rege partizipieren würde...

Obschon die beiden in einer extrem coolen Loftwohnung in der Nachbarsgemeinde Au/SG wohnen, überlegen sie es sich dreimal, bevor sie einen Franken ausserhalb von St. Margrethen ausgeben. Der Arbeitgeber meines Sohnes wünscht, dass er in Bälde Wohnsitz in St. Margrethen nimmt. Das ist sein gutes Recht. Nun gibt es aber coole, freistehende Wohnungen in St. Margrethen etwa so häufig wie Skifahrer in der Sahara. Also sind die beiden an einem Bauprojekt – selbstverständlich in dessen Ausführung mit ausschliesslich lokalen Firmen. Bereits taucht das nächste Problem auf, denn die coolen lokalen Architekten, die die Wünsche des Paares im Sinne von „form follows function“ umsetzen wollen (oder vielleicht können), sind so häufig wie – siehe unter Skifahrer in der Sahara. Trotzdem ist die Hemmschwelle der beiden extrem hoch, das Projekt einem extraterritorialen Architekten zu übergeben – gelebte lokale Loyalität, es gibt sie noch.

Trotzdem tönt das alles nach heiler Welt. Das war nicht immer so bei meinem Sohn: Aufgrund überhöhter Ansprüche an fahrbare Untersätze und Wohnraum, dies gepaart mit einer sportiven, fast ausschliesslich provisionsbedingten Anstellung bei der legendären Maschmeyerschen AWD kam es zu schwersten finanziellen Engpass-Situationen in seinem Leben. Nach dem schnellen Erwachen aus dem merkantilen Nirwana-Traum war er sich nicht zu schade, phasenweise drei Jobs auszuüben und sich auch parallel vor der militärischen Pflichterfüllung nicht zu drücken. Seine Tage begannen früh und endeten spät. Die zweite Chance nutzend, die Ärmel nach hinten gekrempelt, schmolzen seine Schulden wie die Butter an der Sonne – ohne väterliche finanzielle Unterstützung und ohne Sozialhilfe wohlgemerkt. Heute ist die Situation anders – ein bisschen ein amerikanischer Traum am Ende des Rheintals, eine Alternative zur feinalimentierten Generation Y. Und Vaterstolz, jawohl, auch wenn sich viele Väter heute zieren, dies zuzugeben. Schade.

In St. Margrethen wohnt hingegen auch ein anderer Mitbürger: Emir Tahirovic, 40, Bosnier. Das Bundesgericht hat ihm vor kurzem das Recht zugesprochen, seine 14jährige Tochter mit einem muslimischen Kopftuch in die Schule zu schicken. Juristisch vertreten wurde er durch die „Anwälte 44“, deren Kanzleiinhaber ist Paul Rechsteiner, SP-Ständerat, Gewerkschaftsboss und klarer Linksausleger. (Der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) ist im übrigen sehr zufrieden mit der Arbeit dieser Kanzlei.) Ihr Mandant hat erfolgreich gegen die Teilnahme seiner Tochter am Turn- und Schwimmunterricht sowie an Klassenfahrten geklagt, ebenso gibt er sich nicht oder nur gezwungenermassen mit weiblichem Lehrpersonal ab. Als weiteres Ziel hat er sich für das nächste Jahr die Schulweihnachtsfeier vorgenommen. Zeit zum Klagen hat er mehr als genug, denn er ist meist arbeitslos und lebt von der Sozialhilfe. Entsprechend wird auch sein juristisches Hobby grösstenteils vom Steuerzahlenden gesponsort. Er selbst bezeichnet sich nicht als Terrorist, aber als Salafist. Allah sei Dank.

Von den 5750 St. Margrethern sind 1600 muslimischen Glaubens – eine verschwindend kleine Minderheit also... Die meisten sind aber relativ gut integriert. Doch die Aktionen von Tahirovic sind Gift auch für die muslimische Gemeinde, denn sie wird mehr und mehr unter Generalverdacht gestellt. Aber: Mit jedem Erfolg, den Tahirovic verbucht, wachsen seine lokalen Anhänger.

José Mourinho, einer der erfolgreichsten Fussball-Trainer, die Real Madrid-Legende schlechthin, sagte einst:

„Hast du eine faule Orange in einer Kiste mit intakten Orangen, hast du zwei Möglichkeiten: Du nimmst sie raus und kannst die anderen Orangen essen. Oder du lässt sie drin und alle werden faul.“

Ihnen ein gesundes und erfolgreiches 2016!

Marco Caimi